Beide tragen ihren Teil zum Familienalltag bei und trotzdem kann sich die Aufgabenverteilung unfair anfühlen.
Aber was bedeutet eigentlich „fair“? Muss wirklich alles 50/50 aufgeteilt sein? Oder geht es vielmehr darum, eine Verteilung zu finden, die zur eigenen Familiensituation passt und sich für beide stimmig anfühlt?
Fair heißt nicht automatisch 50/50
Eine faire Aufgabenverteilung bedeutet nicht, dass alles exakt zur Hälfte aufgeteilt sein muss. Familien leben unterschiedlich, Eltern arbeiten unterschiedlich viel, Betreuungszeiten sind verschieden und auch die Belastung im Alltag ist nicht bei allen gleich.
Deshalb gibt es keine allgemeingültige Lösung dafür, was fair ist. Auch eine eher klassische Rollenverteilung kann für ein Paar stimmig und fair sein, wenn beide sie bewusst so gewählt haben und sich damit wohlfühlen.
Entscheidend ist vielmehr, gemeinsam zu schauen: Welche Aufgaben fallen bei uns an? Wer hat wie viel Zeit und Kapazität? Und fühlt sich die Verteilung für beide stimmig an?
Fair kann also in jeder Familie anders aussehen und sich auch immer wieder verändern.
Faire Aufgabenverteilung beginnt mit gemeinsamer Verantwortung
Aufgaben fair zu verteilen bedeutet nicht, dass eine Person den gesamten Familienalltag im Blick behält und der anderen sagt, was zu tun ist. Denn auch das Delegieren ist eine Aufgabe. Wer ständig daran denken muss, was ansteht, wer etwas übernehmen könnte und wann etwas erledigt werden muss, trägt weiterhin einen großen Teil der Verantwortung.
Deshalb ist es wichtig, dass sich beide Eltern grundsätzlich für Kinder, Haushalt und Familienorganisation verantwortlich fühlen. Erst dann kann wirklich gemeinsam geschaut werden, was ansteht und wie die Verantwortung sinnvoll verteilt werden kann.
Es geht also nicht darum, dass eine Person Aufgaben abgibt und die andere dabei hilft, sondern darum, den Familienalltag gemeinsam zu tragen.
Nicht nur Aufgaben verteilen, sondern Verantwortung
Bei einer Aufgabe geht es nicht nur darum, sie am Ende auszuführen. Zur Verantwortung gehört auch, daran zu denken und alles Notwendige zu organisieren.
Ein Kinderarzttermin besteht zum Beispiel nicht nur darin, mit dem Kind zur Praxis zu fahren. Jemand muss daran denken, dass ein Termin vereinbart werden muss, einen passenden Zeitpunkt finden, den Termin eintragen und im Blick behalten, was dafür noch vorbereitet werden muss.
Erst wenn Drandenken, Organisieren und Ausführen gemeinsam übernommen werden, ist ein Verantwortungsbereich wirklich abgegeben.
Genau hier zeigt sich häufig Mental Load. Aufgaben wirken auf den ersten Blick verteilt, während das Planen und Im Blick behalten weiterhin hauptsächlich bei einer Person liegt.
Abgeben heißt auch loslassen
Verantwortung abzugeben bedeutet auch, darauf zu vertrauen, dass der andere einen Bereich übernimmt. Und das kann manchmal schwieriger sein, als es zunächst klingt.
Vielleicht würde man selbst den Kindergeburtstag anders planen, Geschenke anders auswählen oder bestimmte Dinge früher erledigen. Wenn ein Verantwortungsbereich aber wirklich abgegeben werden soll, gehört dazu, dass der andere ihn auf seine eigene Art übernehmen darf.
Natürlich gibt es Bereiche, die einem besonders wichtig sind und die man deshalb bewusst selbst behalten möchte. Gleichzeitig lohnt es sich zu schauen, wo der eigene Anspruch oder der Wunsch, alles auf eine bestimmte Weise zu machen, das Abgeben erschwert.
Entlastung entsteht nur dann, wenn Verantwortung nicht nur übertragen, sondern auch wirklich losgelassen wird.
Weg vom Gegeneinander hin zum Elternteam
Im Familienalltag passiert es schnell, dass Aufgaben gegeneinander aufgerechnet werden. Beide haben viel zu tun, beide fühlen sich belastet und trotzdem entsteht das Gefühl, selbst mehr zu tragen oder mit dem eigenen Einsatz nicht gesehen zu werden.
Genau dann kann aus einem Miteinander ein Gegeneinander werden. Statt gemeinsam auf die Situation zu schauen, geht es plötzlich darum, wer mehr macht, wer öfter zurücksteckt oder wessen Belastung größer ist.
Hilfreicher ist es, wieder gemeinsam hinzuschauen. Was trägt der andere eigentlich alles? Was sehe ich vielleicht nicht? Wo können wir uns gegenseitig entlasten?
Faire Aufgabenverteilung bedeutet deshalb nicht nur, Aufgaben neu zu verteilen. Es geht auch um die Haltung dahinter: den Familienalltag als gemeinsame Aufgabe zu sehen und ihn als Team gestalten zu wollen.
Auch Rollenbilder beeinflussen unsere Aufgabenverteilung
Wie Aufgaben in Familien verteilt sind, entsteht nicht immer nur aus bewussten Entscheidungen. Häufig spielen auch klassische Rollenbilder eine Rolle, die wir aus unseren eigenen Familien, aus unserem Umfeld oder aus gesellschaftlichen Erwartungen kennen.
So übernehmen Frauen noch immer oft einen größeren Teil der Kinderbetreuung, Hausarbeit und Familienorganisation, während Männer eher für Finanzen, Auto oder Reparaturen zuständig sind. Das muss nicht automatisch unfair sein. Entscheidend ist, ob diese Verteilung bewusst gewählt wurde und für beide passt.
Wenn sie sich nicht mehr stimmig anfühlt, braucht Veränderung Bewegung auf beiden Seiten. Männer müssen bereit sein, Verantwortung in Bereichen zu übernehmen, die bisher vielleicht selbstverständlich bei der Partnerin lagen. Frauen müssen gleichzeitig bereit sein, Verantwortung abzugeben und zuzulassen, dass der Partner Dinge möglicherweise anders macht, als sie selbst es tun würden.
Was könnt ihr konkret verändern?
Was für euch der richtige erste Schritt ist, hängt davon ab, wo ihr gerade steht.
Vielleicht sind eure Aufgaben grundsätzlich schon verteilt, fühlen sich aber nicht mehr fair an. Dann kann es helfen, einmal sichtbar zu machen, was im Familienalltag alles anfällt und wie die Verantwortung verteilt ist.
Vielleicht trägt bisher eine Person den größten Teil der Verantwortung und die andere nimmt das Problem noch gar nicht richtig wahr. Dann steht zuerst das gemeinsame Gespräch an.
Oder die Aufgaben sind verteilt, aber das Drandenken und Organisieren bleibt bei einer Person. Dann lohnt es sich, nicht nur auf einzelne Aufgaben, sondern auf die vollständigen Verantwortungsbereiche zu schauen.
Und wenn eigentlich klar ist, was abgegeben werden könnte, das Loslassen aber schwerfällt, kann genau das der nächste Schritt sein.
Es gibt also nicht den einen richtigen Weg. Entscheidend ist, was ihr als Paar gerade braucht.
Faire Aufgabenverteilung bedeutet gemeinsame Verantwortung
Faire Aufgabenverteilung heißt nicht, alles exakt zu halbieren. Sie bedeutet, gemeinsam Verantwortung für den Familienalltag zu übernehmen und eine Verteilung zu finden, die für beide stimmig ist.
Dazu gehört, Aufgaben und Verantwortungsbereiche sichtbar zu machen, miteinander im Gespräch zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und sie auch abgeben zu können. Nicht gegeneinander, sondern als Team.
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